Freitag, 20. Januar 2017

Schwarzer Freitag/Black Friday

Liebe Mitstreiter,

kann ich so überhaupt einen Text beginnen?





 In dem es um Stilfragen und Geschmack geht?




Kann man über Geschmack denn überhaupt streiten?












Ja, Schönheit, Wahrheit und Gerechtigkeit sind nicht nur eine Frage von Interpretationen und "Likes". Es geht sehr wohl um eine persönliche Stellungnahme, man darf in allen diesen Fragen streitbar sein.






Hier der Beweis:



Eine Familie in ihrem gemütlichen Zuhause, also dem, was ihr "Gemüt" widerspiegelt, denn davon gehen wir ja wohl aus? Sicher hat sich da ein Irrenarchitekt, bzw. Innenarchitekt ausgetobt. Er hat den Geschmack und den Stil seiner Kunden offenbar sehr gut getroffen: Das ist der postmoderne internationale Potentatenstil. Beliebt in Ost und West, bei orientalischen Potentaten ebenso.


Da wird mir schon beim Hinsehen schlecht. Aber es ist ja viel schlimmer. Das ist die Postmoderne wie sie leibt und lebt. Hier gibt es keine Wahrheit, nur Twitter, keine Realität, nur Meinungen, keine Gerechtigkeit, nur Macht. Von dem armen Kind einmal abgesehen. Das hat es nicht leicht, denke ich. Buchempfehlung: Das Werk von Edward StAubyn.

Die Postmoderne klassifizierte der Philosoph Maurizio Ferraris (Manifest des Neuen Realismus, sehr zu empfehlen!) folgendermaßen:


Ironisierung . 

Ja, das ist schon lustig, der alte Wüstling auf dem Bild ist der mächtigste Mann der Welt. Ein offenkundiger Narzisst, also jemand, der schwer abartig ist und dessen Psychopathie zwischen grenzenloser, übergriffiger Vertraulichkeit und wütendem Vernichtungswillen schwankt. Meine amerikanischen Kollegen verwenden Trump-Videos um ihren Studenten zu zeigen, was eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ist. Ich habe jetzt keine Angst das hinzuschreiben. Es ist die Wahrheit und die CIA ist sicher auf meiner Seite, falls sie zufällig auf meiner Seite (dieser Website) landet.

Das ist ja sooo lustig, also machen wir "Anführungszeichen" und beenden jeden Satz mit drei...
Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst?

Ich bitte darum, das ernst zu nehmen.

Entsublimierung.

Das ist schwieriger, ich hebe es mir für einen anderen Text auf. Es bedeutet, dass das Lustprinzip als absolute Wahrheit gilt. Das postfaktische Zeitalter (Wort des Jahres), post-truth (internationales Wort des Jahres). Es zählt nicht, was ist, sondern was jemand dazu fühlt. Realität? Ach geh mir doch damit, was soll ich mir meine Gefühle von so etwas trüben lassen. Aber - das leitet zum dritten Punkt über - es gibt die Realität, die Wirklichkeit und das ist nebenbei der Ort, an dem wir schließlich leben müssen.

Entobjektivierung.


Das bedeutet unter anderem, dass uns nichts mehr entgegensteht, es nichts Unabänderliches mehr gibt. Ein Vorreiter der Psychotherapie, C.G.Jung, hat gesagt: Die Seele kennt keinen Tod. Das glaube ich nicht. Die Seele schaudert davor, sehnt sich manchmal auch danach. Aber selbst wenn es stimmen würde, dass die Seele keinen Tod kennt: Das wäre immer  noch eine Aussage über die Seele, nicht über die Wirklichkeit, in der es den Tod gibt. Schon deswegen ist es bedrohlich, wenn die Welt von alten Männern - solchen alten Männern! - reagiert wird, die den Tod auch nicht kennen wollen. Das müssten sie in diesem Alter nämlich. Eine Art, die eigene Sterblichkeit, Vergänglichkeit und Bedeutungslosigkeit (unter dem Blickwinkel der Ewigkeit, nicht im Hier und Jetzt, das zählt sehr wohl) zu verleugnen, ist es, andere in den Tod zu schicken. Auch so kann man sich als "Herr über Leben und Tod" fühlen.


Um es klar zu sagen: Dieser Mann und seine Familieninszenierung ist ein Bild unseres Zeitalters, der Postmoderne.

Wir sollten Apfelbäumchen pflanzen.











Auch das ist ein schlichter Zeitungsausschnitt, die Pflanztöpfe habe ich mit einem "pot maker" aus einer japanischen Zeitung gemacht, die mein Mann von einer Reise mitgebracht hat. Schön, schlicht, kein Aufwand.




Wir sollten unsere Sinne schärfen, nicht abstumpfen! Die Sinneswahrnehmungen (Hört mal dieses Wort: Wahr-nehmen. Gut, oder?) sind die Grundlage unseres Denkens und Fühlens, wir sollten feinfühlig und scharfsinnig sein, aber nicht oder jedenfalls nicht nur für uns selbst, sondern für Andere, für die Welt! Unseren Blick nach außen richten anstatt diese ewige Nabelschau zu betreiben. Wenn wir das noch wären - feinfühlig, scharfsinnig - dann blieben uns solche Weltenlenker wie Trump vielleicht erspart.

An diesem schwarzen Freitag, der vielleicht der Beginn einer Veränderung ist, weil so manche Krankheit erst bis zur Krise fortschreiten muss, um klar erkennbar zu werden. Dieser amerikanische Präsident ist hoffentlich nur ein weiteres, überdeutliches Symptom, er könnte auch die personifizierte Krise sein.

Wünschen wir uns Glück, einen offenen Blick, klaren Verstand und den Mut, die Wahrheit zu sagen.

Und ein schönes Wochenende!
Eure Sarah

Kommentare:

  1. Liebe Sarah,
    ich sitze heute Morgen sowieso schon mit leicht wässrigen Augen vor dem PC. Und nach der Lektüre deines Posts erst recht.
    Viele Gedanken, die mich umhertreiben ( und die ich teilweise ähnlich oder doch anders für künftige Posts formuliert habe ) hast du für uns in Worte gefasst. Und wer jemals in seinem Leben Kontakt mit Narzissten gehabt hat, weiß, wie lebensgefährlich das sein kann und wie schwarz dieser Tag für all die ist, die von Vernunft & Menschlichkeit & Miteinander überzeugt sind. Das Foto spricht Bände ( und steht so im krassen Gegensatz zu diesem hier: http://www.newyorker.com/magazine/2009/01/19/a-couple-in-chicago ). Die Krankheit, an der die Welt leidet, ist von Evgeny Morozov gestern gut beschrieben worden...

    Deine Inszenierung ( die Kraniche! ) tut auf jeden Fall gut! Ich danke dir!
    Herzlichst
    Astrid

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    1. Ach ja: Edward StAubyn empfehle ich unbedingt.
      Und: ich habe den Post bei mir verlinkt!
      LG

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  2. Ich wollte nur die Blumen ansehen, aber bin auf einen Text getroffen, der spricht mir aus dem Herzen - an diesem schwarzen Freitag!
    Zudem habe ich mich heute schon gefragt, was hilft, beten oder Protest?
    Viel Glück, Verstand und ein schönes Wochenende
    Katja

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  3. Heute ist ein Tag, an welchem ein Tor geöffnet wird hinter dem sich etwas verbirgt, was keiner so richtig einzuschätzen vermag. Erst in einigen Monaten werden wir es wohl genauer bezeichnen können und die Auswirkungen erahnen, die uns dieses angstmachende Tor gebracht hat und bringen wird. Ich hoffe, bete und wünsche mir, dass wir alle Mittel und Wege finden werden, Schlimmeres für die Weltpolitik abzuwenden. Du hast wirklich tolle Worte gefunden und es grüßt dich Marion.

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  4. Beautiful photos - I love the contrast and textures

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  5. Ich hab ja keine Ahnung von Psychiatrie und Psychologie, aber dass der Mann nicht so richtig gesund ist, ist ziemlich offensichtlich. Allerdings gut zu wissen, dass man seine Auftritte als Lehrvideo benutzt.
    Was mich so grenzenlos wundert, ist, wie viele Leute ihn persönlich toll finden. Ich meine, warum? Außer Machtmensch ist der doch so gar nichts, macht weder rednerisch noch optisch was her, im Gegenteil. Was kann man an diesem orangefarbenen Onkel nur finden?
    Tja, ich habe die Hoffnung, dass man ihn entweder nicht so machen lässt, wie er will, also dass seine Berater halbwegs vernünftig sind, oder dass er schnell die Lust am Selberregieren verliert und sowieso den anderen die Arbeit überlässt.

    Übrigens mag ich deine kleinen schwarzen Hirsche!

    LG
    Centi

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    1. Menschen wie "the Donald" können den erlernten Charme voll aufdrehen wenn sie das wollen - sprich: Wenn alles nach ihrem Kopf geht. Wehe wenn nicht. ♥nic

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    2. Das haben Narzissten so an sich, die können einen dermaßen verzaubern, aber auch heftig ihren Kopf durchsetzen, bis man nicht mehr weiß, wer man selber ist und sich auf die Schienen legt...
      LG
      Astrid

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    3. "Orangefarbener Onkel" ist auch gut. Die Hoffnung, dass ihm das Regieren zu lanbgweilig werden könnte, habe ich auch. Dann wird er nur noch im Fernsehen auftreten und da fällt er doch gar nicht besonders auf unter all den Hysterikern.
      LG
      Sarah

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  6. Ich kann deine Worte richtig unterstützen- feinfühlig und scharfsinnig ist genau das, was wir zeigen sollen und dann wird ( vielleicht) die Menschheit hellhörig und gegen Menschen wie der Donald wird ein Zeichen gesetzt.
    Danke für deinen Post mit den beruhigenden Dekorationen, sehr schön.
    Gruß zu dir
    heiDE

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    1. Liebe Heide,
      hellhörig gefällt mir auch! Aber vielleicht ist es schwer, weil ich mir am die Augen und die Ohren zuhalten möchte, wenn solche Typen auf der Bildfläche erscheinen?
      Lieben Gruß an Dich
      Sarah

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  7. Beängstigend!
    War das die 毎日新聞? Kann man diese Zeitung nicht sogar an sich einpflanzen und es wächst was draus?
    Gros bisou
    Sandra

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    1. Mein Japanisch reicht leider nicht aus,um das zu beantworten. Ashara Times oder so ähnlich, das Titelblatt ist schon vertopft.
      A bientot
      Sarah

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  8. Da kann ich nur in Dein Hoffen einstimmen, dass dieser schwarze Freitag der Beginn einer Veränderung sein könnte. Aber es halt nur ein Konjunktiv...
    Meine Tochterfamilie lebt in den Staaten (in einem der demokratisch gewählt hat), und irgendwie macht mich das noch dünnhäutiger und sorgenvoller.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  9. Zur Politik äußere ich mich nicht, ich glaube, da ist alles gesagt . Da schau ich mir lieber deine schönen Fotos an und lasse sie auf mich wirken...
    Auf deine Interpretation des "Lichthauses" bin ich schon sehr gespannt, liebe Sarah !
    Herzliche Grüße und ein entspanntes Wochenende, helga

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  10. Ja, es ist schwierig mit so einem schwarzen Freitag, falsch nach so einem schwarzen Freitag und mit einem persönlichkeitsgestörten Potentaten. Aber weisst du, was mich gefreut hat? Die Hunderttausende, die gegen ihn auf die Straßen gegangen sind. Mehr, soo viel mehr als zu seinen Krönungs- a bah Amtseinführungsfeierlichkeiten, wo er jetzt schon die Presse beschimpft, die Zahlen der ZuschauerInnen niedriger anzugeben, als sie gewesen seien, wenns nicht so erbärmlich wäre, müsste ich lachen. Das werden spannende gefährliche 4 Jahre, machen wir uns nichts vor und vor allen Dingen, lassen wir uns nicht entzweien. Er wird jeder Seite etwas vorlügen, um Menschen, Staaten, Staatsoberhäupter, PolitikerInnen jeder Couleur je nach dem was er will zusammenzuspannen oder wüst zu entzweien, er wird Nebelkerzen werfen, seinen Macht/Geld/gekaufte Medien verwenden, um Lügen und Denunziationen zu verbreiten und über die Mühe derer, die dementieren müssen, lachen und sich freuen, dass sie mit dementieren müssen ausgeschaltet sind und er tun kann, was er will. In der Tat, das wird spannend und gefährlich. Unsre Bundestagswahl wird nicht unbeeinflusst bleiben, der Ring der Rechten in Europa, der sich zur Schlinge formt ist bedrohlich und wir sollten eins nicht vergessen: Wenn Mr Trampel sagt America first, sollten wir tun und denken Europe first - denn wenns hier hart auf hart kommt ist Amerika weit weg. In diesem Sinne wünsche ich mir einen Schulterschluss der Feinfühligen, Scharfsinnigen, Hellhörigen und Wehrhaften. Und Deine Fotos sind wunderwunderschön. Liebe Grüße, Eva

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  11. Liebe Sarah,
    ich denke immer wieder: "Die spinnen, die Amis".
    Gerade eben habe ich mich durch Deine letzten Posts
    gelesen und dabei so viel schönes gesehen.
    wünsche Dir und Deinen Lieben einen guten Start
    in das noch junge Jahr 2017
    Margot

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  12. Schöne, helle Blüten, schöne Zeitungstöpfe, schöner Apfelbaum - hässlicher, scheußlicher alter Mann! Und ja, vielleicht spinnen sie ja, die Amis - aber zum Glück nicht alle! Und Vorsicht - auch bei uns gibt es genug dieser machtgierigen alten Männer, die sich an populistisch aufbereitetem Nationalheldentum, einem ewiggestrigen Frauenbild, einem gefährlich kriegstreiberischen Weltbild, an Geld und zumeist jüngeren Frauen festhalten. In manchen europäischen Staaten sind sie bereits an der Macht. Und sie werden Europa zerstören, wenn es zu viele werden!

    Liebe Grüße,
    Veronika

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